Mitmach-Interview #12

Unser Architekt Hans-Jürgen Stein steht für konsequent Nachhaltiges Bauen in der Region. Er ist Mitbegründer des Architekturbüros Stein-Hemmes-Wirtz in Kasel. Bei der Planung des WohnKulturHof hat er uns von Beginn an begleitet. Mit seinem Team hat er unsere Ideen weiterentwickelt und in konkrete Pläne und Konzepte umgesetzt.

Der WohnKulturHof ist für mich ein besonderes Projekt, weil...

  • der Gemeinschaftsgedanke, der an jeder Stelle des Projektes mitschwingt, mich sehr beeindruckt. Es äußert sich nicht zuletzt in den Konzepten zum Wohnen, Arbeiten und des Gemeinschaftlichen. 
  • Das private Wohnen ist auf das Wesentliche und Notwendige konzentriert. 
  • Für das Arbeiten wird ausreichend Platz in einem angemessen großen Coworking-Bereich bereitgestellt.
  • Und für das Gemeinschaftliche steht der gemeinschaftliche Wohn-Essbereich mit Saal.

Verbunden werden diese Funktionen über den geschützten öffentlichen Hof, welcher freigehalten ist von Autos.

An der Planung des WohnKulturHof reizt mich als Architekt besonders...

die Möglichkeit, hier bei einem Projekt beteiligt zu sein, welches die Herausforderungen der Nachhaltigkeit annimmt. Das heißt, dass hier neben der Effizienz und Konsistenz ein besonderer Wert auf die Suffizienz gelegt wird.

Gerade die Suffizienz, denn nur diese verlangt eine Lebensänderung zur Bescheidenheit hin, wird gerne vergessen. Es gibt außer der Tiny-Haus-Bewegung kaum Initiativen, die das berücksichtigen. Aber hier beim WohnKulturHof kann ich als Architekt meine Ideen dazu aufzeigen.

Den Auftrag zur Planung des WohnKulturHof habe ich insbesondere angenommen, ...

Wegen der netten Baugruppe😉

Ich halte es für wichtig, dass solche Projekte wie der WohnKulturHof nicht nur ein städtisches Phänomen bleiben, sondern auch in die Region gebracht werden.

Ich halte es für äußerst wichtig, dass gerade im ländlichen Raum Konzepte entstehen, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit am Ort und in der Region ermöglichen. Orte, die nur auf Neubaugebiete zum Wohnen setzen, verkaufen sich unter Wert und degradieren sich zu Schlafstätten für die nahen Städte. Gleichzeitig verlieren diese Schlaforte ihre Identität und, wenn ich über lange Zeiträume nachdenke, wohl auch ihre Lebensgrundlage. 

Besonders nachhaltig an dem Projekt finde ich...

Ich habe oben schon die Begriffe Effizienz, Konsistenz und Suffizienz genannt. 

Suffizienz: In dem Wort Suffizienz steckt das lateinische sufficere = genügen. Nach anderen Veröffentlichungen steht Suffizienz für ein „Begrenzen oder Weniger". Weniger und kleiner sind keine Begriffe, die unsere Wachstumsgesellschaft freiwillig leben möchte. Unsere Autos werden immer größer mit mehr PS. Der Wohnraumverbrauch pro Person wächst ebenfalls und wenn wir alt werden, beschweren wir uns über die viel zu große Wohnung. Die Wohngrundrisse des WohnKulturHof sind wohltuend klein. Insgesamt 60m² für zwei Personen. Also etwa so groß, wie das ein oder andere Wohnzimmer. Der notwendige Platz für Gästezimmer, Feierraum für zum Beispiel Geburtstage oder für das Arbeiten wird gemeinsam errichtet und genutzt und braucht daher insgesamt viel weniger Platz.

Konsistenz beim Bauen: Unter Konsistenz versteht man geschlossene Stoffkreisläufe und die Verwendung erneuerbarer Energiequellen. Ganz oben steht die Wahl des Baustoffes Holz. Die Häuser sollen Holzhäuser werden. Hier wird CO² für 80 Jahre und länger geparkt. Das ist, heute weiß es fast jeder, gut gegen die Klimaerwärmung. Nebenbei wird mit dem Baustoff Holz auch der Verschwendung grauer Energie entgegengewirkt.  Weiterhin nutzt der WohnKulturHof auch erneuerbare Energien. Eine große PV-Anlage erwirtschaftet Strom zum Wohnen, Arbeiten und für die Mobilität. 

Effizienz: Effizienz bedeutet, Dinge richtig zu tun. Effektivität steht dafür, die richtigen Dinge zu tun. Wir verstehen unter Effizienz, mit möglichst wenig Aufwand eine große Wirkung zu erzielen. Beim Bauen erreichen wir im Sinne des Energieverbrauchs die besten Ergebnisse durch eine ordentliche Wärmedämmung und eine zeitgemäße Haustechnik. Zur Haustechnik gehören die Wärmerückgewinnung und CO2-freie Wärmeerzeugung, wie zum Beispiel mit der Wärmepumpe plus PV-Anlage. Alles in allem verbindet dieses Projekt die drei Säulen der Nachhaltigkeit Effizienz, Konsistenz und Suffizienz in einer Qualität, wie ich es in meiner Berufslaufbahn bisher noch nicht umsetzen durfte.

Dem Kernteam und den Bewohner:innen wünsche ich vor allem...

  • weiterhin die gute Laune bei den Planungsbesprechungen.
  • Langmut bei den unvermeidlichen Diskussionen mit Behörden.
  • dass insbesondere die Finanzierer das Potential der Idee sehen und würdigen.
  • und dass Ihr möglichst schnell in den WohnKulturHof einziehen könnt.